Verantwortung

Die SVP wirft den Grünen vor sie instrumentalisierten die Klimadebatte. Dabei tut genau sie dies. Ihre Argumente gegen griffige Massnahmen zeugen von mangelndem Respekt gegenüber zukünftigen Generationen. 

Die SVP beglückte letzte Woche die Haushalte mit ihrer Sicht der Dinge, unter anderem zu Klimaschutz. Kurz zusammen gefasst: Massnahmen sind zu kostspielig, wir wollen lieber jetzt gut leben. Wenn wir kleine Schweiz was dagegen tun wird das teuer und es nützt eh nicht. Schuld sind die vielen Zugewanderten.
Insgesamt ein scheussliches Sammelsurium von absurden, falschen und populistischen Äusserungen. Die Kostenrechnungen und die Behauptungen zur Klimaerwärmung sind schlicht lächerlich. Entweder zeugen sie von einer erschreckenden Ignoranz oder einem unverschämten Zwecklügen. Vor allem aber gibt einem die moralische Haltung dahinter Anlass zur Besorgnis. Nehmen wir an es sei nicht zu 100% sicher, dass das Problem mit der Klimaerwärmung  genau so ist,  wie es kompetente Wissenschafter einer seriösen Institution wie der ETH beschreiben. Sicher ist, dass der Kohlendioxid der Gehalt der Erde durch den Menschen verursacht jedes Jahr um 2,5ppm ansteigt, das kann man messen. Dass CO2 im Stoff- und Energiehaushalt der Erde eine wichtige Rolle spielt, kann kaum jemand ernsthaft leugnen. Aus diesen beiden Tatsachen ergibt sich, dass wir vermutlich ein sehr riskantes Experiment mit der Erde machen. Nehmen wir an, ein Politiker hätte eine Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft. Wie kann man allen Ernstes unseren Kindern und nachfolgende Generationen einen Planeten überlassen, mit der Aussicht darauf, dass es nur schon im Bereich des Möglichen oder Wahrscheinlichen liegt, dass er in weiten Teilen unbewohnbar wird? (In Indien herrschen seit einem Monat Temperaturen von 45 Grad.)
Selbst wenn es nicht gesichert ist, wäre es doch von einer verantwortungsvollen Person zu erwarten, dass sie sich Sorgen macht.
Die SVP nicht. Sie findet ach wir wursteln weiter wie bisher. Es geht uns doch grad so gut. Alles linkes Geschwätz. Besonders Highlight ist das Argument: wir sind eh zu klein. Nach dieser Logik zahlen Mitglieder der SVP wohl auch keine Steuern, bei den Meisten ist ihr Beitrag ja wohl weniger als ein Promille des Steueraufkommens des Kantons. Also irrelevent.
Oliver Imfeld ist nicht nur ein Kommunalpolitiker der SVP. Er ist auch auf kantonaler und nationaler Ebene aktiv. Er trägt also diese Strategie entscheidend mit. Es ist uns auch klar, dass Horw mit den Bemühungen als Energiestadt nicht die Erde retten kann. Die Haltung einer der reichsten Gemeinde, in einem der reichsten Länder zu sagen: Verantwortung? nein, wir nicht, nicht für unsere Kinder, nicht für eine Zukunft. Für mich ist ein Vertreter dieser Ausprägung aus moralischen Gründen nicht wählbar, Konkordanz hin oder her: für Sie?

Zum Argument die Schweiz sei zu klein für Massnahmen gibt es zweierlei zu sagen: erstens sind technische Innovationen gefragt. Hier kann die Schweiz sehr viel leisten was auch weltweit Auswirkungen hat. Zweitens: es ist auch eine Chance gerade für Forschung und Gewerbe in der Schweiz. Andere Lösungen zu suchen als das Öl der Saudis zu verbrennen müsste doch im Sinne der SVP sein? Warum zieht hier das Argument des Lokalen nicht?

Die Angriffe gegen Grüne im Bereich Landwirtschaft sind ähnlich absurd. Es ist gerade ein grünes Kernanliegen, dass die Landwirtschaft mit dem Schweizerboden Nahrungsmittel herstellen soll, zu für sie anständigen Preisen. Die SVP verteidigt aber bodenunabhängige Produktion von Fleisch mit Futter aus Brasilien und neuerdings dessen  Exporte nach China (vom SVP Bundesrat eingefädelt). Diese Landwirtschaft brauchen wir wirklich nicht.

Die SVP behauptet die Wissenschaft sei sich einig, dass 95% der CO2 Emissionen natürlichen Ursprung haben. Das ist an sich korrekt, nur ist sich die selbe Wissenschaft einig, dass es ausschliesslich die zusätzlichen 5% menschverursachten Emissionen sind, welche zur Erhöhung des CO2 führen. Die Verhältnisse sind komplex. Dass in diesem Thema sich Leute mit geringem Fachwissen anmassen die seriöse Meinung von Experten mit ihren geradezu naiven Argumenten zu hinterfragen ist wohl eine der Tragödien.  Wir unterhalten mit viel Steuergeld eine super Universität, sind stolz wenn sie im internationalen Ranking auch Universitäten wie Cambridge hinter sich lässt, aber jeder SVP-Politiker fühlt sich scheinbar befähigt deren Expertenmeinung als fragwürdig darzustellen.

Die Messtation auf der Hawai-Insel Mauna Loa ist weltweit die Referenzstation für CO2 in der Atmosphäre. Sie wird seit 1958 betrieben. Die Graphik unten Zeigt: nicht nur steigt Kohlendioxid jährlich an, von 315ppm 1958 auf über 410ppm heute, nein, sogar die jährliche Zunahme steigt an. Von Jahr zu Jahr ist die Zunahme dramatischer. Am Anfang stieg sie jedes Jahr um etwa 0,7ppm, heute nimmt sie jährlich um fast 2,5 ppm zu. Das stimmt mit den jährlich zunehmenden Kohlendioxidemissionen aus fossilen Brennstoffen gut überein. Zu zweifeln, dass das durch den Menschen verursacht ist, erinnert an den Strauss, der den Kopf in den Sand steckt. Was unbequem ist verschwindet nicht indem man es leugnet.

Quelle NOAA

Persönliche Meinung Peter Bucher

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