Zersiedelungsinitiative

Von der Höhe des Pilatus überblicken wir bunt gemischte Naturlandschaften, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Industrieanlagen und Siedlungsgebiete. Man möchte sagen: Genug! Wo bleibt der freie Raum? In den letzten Jahrzehnten wurden neue Bauparzellen erschlossen, Bahnen der gewachsenen Mobilität angepasst, Einkaufszentren auf der grünen Wiese hochgezogen und stets leistungsfähigere Strassen angelegt – jede Sekunde ein Quadratmeter.
Die Jungen Grünen fordern: Stopp! Ungebremste Zersiedelung zerstört Natur und Landschaft! Mit einer Initiative wollen sie die Eigendynamik dieser Wachstumsprozesse aufzuhalten. Sie vertrauen den bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht, weil bereits der Kulturlandschutz aus dem neuen Raumplanungsgesetz gestrichen ist, noch bevor das Parlament darüber beraten wird.
Mit der Zersiedelung geht auch Landwirtschaftsland verloren. Die Initiative schützt deshalb Kulturland sowie eine unsere wichtigsten Ressourcen, das natürlich vorhandene Grundwasser. Sie sorgt dafür, dass Landschaft und Lebensqualität erhalten bleiben.

Horw Dezember 2017

Die Landwirtschaft braucht Boden, der nicht verschwendet werden darf. Gemüse und Obst soll hier gezogen werden – nicht hors sol. Tiere brauchen Futterflächen und Weiden – nicht Hormonfutter in industriellen Mastbetrieben.
Die Zersiedelungsinitiative verlangt haushälterischen Umgang mit Bauland, weil der Boden nicht vermehrt werden kann. Unser Anspruch auf Siedlungs- und Verkehrsflächen muss sich auf die vorhandenen bebauten Flächen beschränken und diese nach Bedarf nutzen. Einmal bebauter und verdichteter Boden zerstört den Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere auf Generationen hinaus. Das heisst, die Lebensqualität von Kindern und Kindeskindern ist nachhaltig beschädigt. Wer kann das verantworten?
Die Initiative fordert:
• Werden neue Bauzonen ausgeschieden, muss dafür eine ebenso grosse Fläche mit mindestens gleichem landwirtschaftlichen Ertragswert ausgezont werden.
• Um unverbaute Landschaften zu bewahren und zu verhindern, dass immer mehr Landstriche durch Verkehrswege zerschnitten werden, muss die Trennung von Bau und Nichtbauzonen grundsätzlich eingehalten werden.
• Nachhaltiges Wohnen bedeutet sparsamen Umgang mit dem Boden und eine Infrastruktur, die kurze Verkehrswege erlaubt.
• Wir müssen verbliebene Grünflächen in der Schweiz erhalten. Sie sollen auch zukünftigen Generationen als wertvolle Grundlage für die Landwirtschaft und als Erholungsraum zugänglich bleiben.

Horw und Luzern, Dezember 2017

Horw setzte in den letzten drei Jahrzehnten auch dank der L20 die Grundzüge der Initiative praktisch um, hat kaum mehr Land eingezont, sondern in den 90er-Jahren noch ausgezont. Horw zeigt beispielhaft, dass auch nach Annahme der Zersiedelungsinitiative gebaut werden kann. Mit dem Ziel, die Halbinsel freizuhalten, wird rund um den Bahnhof verdichtet gebaut. So eröffnet die Initiative wirtschaftliche Chancen und erhöht den urbanen Komfort.
Die L20 unterstützt die Anliegen der Initiative und empfiehlt ein überzeugtes JA am 10. Februar.